Bremen kooperiert mit bundesweiter Initiative „Trau dich!“ zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs

Dr. Susanne Lindner (ärztl. Gesamtleitung der Arche Klink) unterstützt stellvertretend für die Klinik die Aktion "Trau dich" im Fischereihaven

Bremerhaven, 21. Mai 2019. Kinderrechte, körperliche Selbstbestimmung und sexueller Kindesmissbrauch sind die Themen des Theaterstücks ,,Trau dich!", das im Theater im Fischereihafen in Bremerhaven vor über 500 Kindern und ihren Lehrkräften aufgeführt wird. Das Stück ist zentrales Element der bundesweiten Initiative „Trau dich!" zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Ziel ist es, Mädchen und Jungen über ihre Rechte aufzuklären, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und sie zu informieren, wo sie im Falle eines Übergriffs Hilfe finden. Die Schirmherrschaft für Bremen haben Anja Stahmann (Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport) und Dr. Claudia Bogedan  (Senatorin für Kinder und Bildung), übernommen.

Bundesministerin Dr. Franziska Giffey betont dazu: „Mit der dauerhaften Einrichtung des Amtes einer oder eines unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Ende des vergangenen Jahres haben wir für starke Strukturen, für Schutz, Prävention und Intervention auf Bundesebene gesorgt. Wir wollen, dass jedes Kind erkennen kann, wann Grenzen überschritten oder Regeln missachtet werden. Damit es weiß: Wenn mich jemand so anspricht oder so anfasst oder wenn ich ein komisches Gefühl habe - dann ist das nicht richtig. Es muss auch für alle Erwachsenen im Alltag selbstverständlich werden, hinzuschauen und präventiv zu handeln, damit jedes Kind frei von sexualisierter Gewalt aufwachsen kann. „Trau dich!“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie gute Präventionsarbeit gelingen kann."

Für 2019 sind 4 Theateraufführungen in Bremen und Bremerhaven geplant, mit denen die Initiative ca. 2.000 Kinder aus den 6. Klassen direkt erreichen wird. Über 12.300 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern hat die polizeiliche Statistik im Jahr 2018 erfasst, und die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen", sagt Anja Stahmann. „Wir sind gut beraten, unseren Kindern das Rüstzeug mitzugeben, damit sie Alarmsignale rechtzeitig bemerken - und sich frühzeitig bemerkbar machen. Einen wichtigen Beitrag dazu erhoffe ich mir von der Initiative „Trau dich!“ und dem gleichnamigen Theaterstück.“

„Körperliche und seelische Gewalt gehören nicht in ein Kinderleben - in kein Leben. Doch leider ist sexuelle Gewalt traurige Realität. Sie findet in allen gesellschaftlichen Zusammenhängen statt. Das bedeutet: Prävention und wirksame Hilfsstrukturen müssen überall ansetzen - im Elternhaus, im Sportverein, im religiösen Bereich, in Kitas und Schulen.

Verdachtsfälle dürfen nicht verschwiegen werden, Kinderschutz muss oberste Priorität haben. Die Initiative „Trau dich!“ möchte Kinder über ihre Rechte und den Schutz, den sie vor sexueller Gewalt einfordern können, aufklären. Sie möchte ihnen Mut machen und ihr Selbstbewusstsein stärken. Lehrkräfte sind dabei wichtige Partner, die zu einer Kultur des Hinschauens beitragen und helfen können, das Thema zu enttabuisieren. „Trau dich!“ erreicht Kinder und Jugendliche über das Theater und viele weitere Angebote auch für Lehrkräfte und Eltern. Ein Ansatz, der überzeugt", so Dr. Claudia Bogedan, Senatorin für Kinder und Bildung.

Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), betont: ,,Unsere langjährigen Erfahrungen zeigen, dass wir mit der Initiative Kinder, Eltern und Schulen erreichen - und zwar nachhaltig. „Trau dich!“ bestärkt Mädchen und Jungen darin, sich jemandem anzuvertrauen, wenn ihnen Dinge widerfahren, die sich nicht ,richtig' anfühlen und Ängste hervorrufen. Da Kinder in solchen Situationen aber nicht alleine gelassen werden dürfen, binden wir Eltern und Lehrkräfte aktiv über Elternabende,

Fortbildungen und lnfomaterial ein. Denn sie tragen die Verantwortung, Kinder über sexualisierte Gewalt aufzuklären und sie davor zu schützen. Bundesweit wird die Initiative bis Ende 2022 fortgeführt. Dadurch können bei Bedarf weitere Aufführungen in Bremen umgesetzt und neue Bundesländer als Kooperationspartner hinzugewonnen werden.

Eltern und pädagogische Fachkräfte finden alle Informationen unter www.trau-dich.de/multiplikatoren.

Das Online-Portal spricht Kinder mit altersgerechten Informationen direkt an www.trau-dich.de.

ln einer Datenbank finden sie Beratungsstellen und Hilfsangebote in ihrer Nähe. Für die niedrigschwellige Beratung und Hilfe kooperiert die BZgA mit der kostenfreien, bundesweiten „Nummer gegen Kummer" (116111), einem Beratungstelefon für Kinder und Jugendliche.

In Bremerhaven wird die Initiative  „Trau dich!" zusammen mit den Partnerinnen und Partnern vor Ort nachhaltig umgesetzt:

  • Die Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, lntegration und Sport
  • Die Senatorin für Kinder und Bildung
  • Amt für Jugend, Familie und Frauen,
  • Schulamt und Sekundarschulen Bremerhaven,
  • Regionales Beratungs- und Unterstützungszentrum (ReBUZ) Bremerhaven,
  • Lehrerfortbildungsinstitut (LFl) Bremerhaven,
  • Polizei Bremerhaven,
  • Gesundheitsamt Bremerhaven
  • Arbeitskreis gegen sexuelle Gewalt an Kindern Bremerhaven
  • lnitiative Jugendhilfe Bremerhaven (lJB) - Mädchen- und Jungentelefon
  • pro familia Beratungsstelle Bremerhaven
  • Zentralstelle zur Verwirklichung der Gleichstellung der Frau (ZGF) Bremerhaven
  • Arche Klinik Bremerhaven, Tagesklinik und Ambulanz für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Kinder- und Jugendpsychotherapie

 

Unterstützer der Initiative "Trau dich" in Bremerhaven

 

*Auf dem Bild zusehen sind von links:

Heiko von Minden (Klinikpflegeleitung der ARCHE Klinik),
Pamela Koellner (Ortspolizeibehörde Bremerhaven),
Dr. Susanne Lindner (ärztliche Gesamtleitung der ARCHE Klinik),
Cordula Breitenfeldt (Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Frauen),
Holger Oberle (Leiter ReBUZ Bremerhaven),
Jessica Stein (pro familia),
Frau Schütz (Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Frauen),
Anna Hüffer (Koordinatorin Präventionsprojekte an Bremer Schulen),
Dannika Lindner (Mädchentelefon),
Beata Stanek, (Jugendhilfeplanung- Kinderbeauftragte)
Marcella Knipschild, (Projektkoordination i.A. BZgA)

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